Warum essen Kinder kein grünes Gemüse?

Warum essen Kinder kein grünes Gemüse?

Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich als Ernährungsberaterin für Familien - und eine Frage wird mir immer wieder gestellt: Warum essen Kinder kein grünes Gemüse?

Die Nachrichten und Mails klingen dann oft so:

  • „Mein Kind isst einfach keinen Brokkoli. Woran liegt das?”
  • „Warum ist grünes Gemüse wie Spinat oder Erbsen für Kinder so ein Graus?”
  • „Meine Tochter verzieht schon das Gesicht, wenn sie nur was Grünes auf dem Teller sieht. Ist das normal?”
  • „Was kann ich tun, wenn mein Sohn partout kein grünes Gemüse essen will?”
  • „Ich habe das Gefühl, mein Kind hat eine richtige Abneigung gegen alles Grüne. Warum ist das so?”
  • „Wird das mit dem Alter besser?”

In diesem Beitrag gehe ich der Frage auf den Grund - und gebe dir konkrete Tipps, wie dein Kind grünes Gemüse akzeptieren und vielleicht sogar lieben lernen kann.

Darum essen Kinder kein grünes Gemüse

Zuerst einmal etwas Beruhigendes: Dass Kinder im Vorschulalter kein grünes Gemüse essen möchten, ist völlig normal. Die Erklärung ist ganz einfach und nennt sich Lebensmittel-Neophobie - eine natürliche Entwicklungsphase, die meist zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr auftritt und sich mit der sogenannten Trotzphase überschneidet. Eine Neophobie ist die Angst vor Neuem. Eine Lebensmittel-Neophobie ist somit die Angst vor neuen Lebensmitteln.

Kinder wollen selbst entscheiden, was sie essen - gleichzeitig haben sie aber eine instinktive Vorsicht gegenüber neuen, ungewohnten Lebensmitteln. Besonders betroffen sind davon grüne und leicht bittere Gemüsesorten wie verschiedene Kräuter, Brokkoli, Spinat oder Erbsen.

Warum genau?
  • Evolutionsbedingt: Grün und bitter war früher ein wichtiges Warnsignal für unreife oder giftige Pflanzen. Unsere Vorfahren mussten sich auf ihren Instinkt verlassen. Dieser Schutzmechanismus sitzt uns im Kindesalter bis heute in den Genen. Ohne ihn wären wir vielleicht längst ausgestorben.
  • Stärkerer Geschmackssinn: Kleine Kinder haben deutlich mehr Geschmacksnerven als Erwachsene und schmecken bittere Lebensmittel deshalb viel intensiver. Das ist übrigens auch der Grund, warum du als Erwachsener vielleicht plötzlich Rosenkohl magst, den du als Kind nicht ausstehen konntest.
  • Verknüpfungen im Kopf: Der letzte Magen-Darm-Infekt fiel auf den Tag, als Spinatlasagne auf dem Wochenplan stand? Dann kann es sein, dass ein Kind den Spinat mit dem schlechten Gefühl verknüpft.
  • Unverträglichkeiten: Kinder spüren intuitiv, wenn sie etwas nicht vertragen und meiden diese Lebensmittel. Säurehaltige Früchte sorgen bei deinem Kind für Bauchschmerzen? Dann wird dein Kind sie auch nicht essen.

Die gute Nachricht: Die Abneigung gegen grünes Gemüse ist meist nur eine Phase. Und du kannst als Elternteil viel tun, um dein Kind behutsam an neue Geschmäcker heranzuführen.

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6 Tipps, um Kinder an grünes Gemüse zu gewöhnen

Auch wenn der Instinkt deines Kindes „Nein!" zu Brokkoli sagt - mit ein paar einfachen Strategien kannst du dafür sorgen, dass es nach und nach eine positive Beziehung zu grünem Gemüse aufbaut. Wichtig ist vor allem: Kein Druck, kein Zwang, kein Drama.

1. Vorleben statt belehren

Streiche grüne Lebensmittel nicht von deinem Speiseplan, sondern iss sie selbst ohne viel Tamtam darum zu machen. Kinder beobachten genau, was auf deinem Teller liegt und nehmen sich ihre Eltern früher oder später zum Vorbild.

2. Nicht aufgeben

Bis Kinder ein neues Lebensmittel akzeptieren, braucht es manchmal 8 bis 20 Kontakte. Gib also nicht beim ersten Ablehnen auf, sondern bring das grüne Gemüse einfach immer wieder auf den Tisch.

3. Kein Zwang und keine Vermischung

Bringe grüne Kräuter und Lebensmittel langsam auf den Familientisch und vermische sie nicht jedes Mal mit vertrauten, sicheren Lebensmitteln. Es kann schon helfen, wenn du:
  • …gehackte Petersilie nicht direkt auf die Kartoffelsuppe streust, sondern in einem separaten Schälchen servierst. Dann kann sich dein Kind selbst daran bedienen, wenn es möchte.
  • … grüne Soße nicht über die Kartoffeln und das Ei gießt, sondern getrennt auf den Teller gibst.

Es bringt schließlich nichts, wenn die ganze Suppe stehen bleibt, nur weil ein paar Kräuter darin schwimmen. Alternativ habe ich auch gute Tipps zum Gemüse verstecken.

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4. Vielfalt anbieten - bei Sorte und Konsistenz

Nicht jedes grüne Gemüse ist gleich und nicht jede Sorte muss gekocht und als Beilage serviert werden. Biete deinem Kind eine bunte Auswahl an unterschiedlichen grünen Lebensmitteln in verschiedenen Formen an:
So kann dein Kind selbst herausfinden, was ihm schmeckt - roh, knackig, cremig oder fein geschnitten. Vielfalt hilft, Vorlieben zu entdecken.

5. Verbindungen schaffen

Ein Besuch auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen, das eigene Anbauen von Gemüse, die Pflege eines Kräuterbeetes und beim Kochen helfen - all das stärkt die Beziehung zu Lebensmitteln.

Kinder grünes Essen

6. Jeder Tag ist eine neue Chance.

Formulierungen wie „Du magst halt keinen Brokkoli” setzen sich im Kopf fest. Sag lieber: „Heute schmeckt er dir vielleicht noch nicht - aber vielleicht beim nächsten Mal.”

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